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Kein einziges Mal bewässert – woher nehmen diese Möhren ihr Wasser?

Anfang Juni wurden unsere Möhren ausgesät. Seitdem haben sie von uns kein einziges Mal zusätzlich Wasser bekommen.

Jetzt, Mitte August, steht Erhard auf dem Möhrenacker, zieht eine der Pflanzen aus dem Boden und staunt selbst über ihre Entwicklung. Die Möhren sind bereits kräftig gewachsen – und dabei haben sie noch bis Anfang Oktober Zeit.

Wenn das Wetter mitspielt, sieht es nach einer richtig guten Ernte aus.

Doch eine Frage drängt sich auf:

Woher nehmen die Möhren bei dieser Trockenheit eigentlich ihr Wasser?

Die eigentliche Möhre geht unter der Erde noch viel weiter

Was wir aus dem Boden ziehen, ist nur ein Teil der Pflanze.

Von der Möhre gehen sehr feine Wurzeln und Wurzelhaare weiter in die Tiefe. Erhard erklärt im Video, dass diese teilweise noch weit über einen Meter in tiefere Bodenschichten reichen können.

Und genau dort wird es interessant.

Denn auch wenn die Erde an der Oberfläche trocken erscheint, kann in tieferen Bodenschichten noch Feuchtigkeit vorhanden sein. Mit ihrem Wurzelsystem erschließen sich die Pflanzen dieses Wasser selbst.

Die Möhre versorgt sich also nicht nur aus den wenigen Zentimetern Erde, die wir an der Oberfläche sehen.

Und was hat der Regenwurm damit zu tun?

Für Erhard ist noch etwas anderes entscheidend: das Leben im Boden.

Regenwürmer bewegen sich durch die Erde und hinterlassen dabei feine Gänge. Diese Röhren durchziehen den Boden und können auch von Pflanzenwurzeln genutzt werden, um leichter in tiefere Schichten vorzudringen.

Erhard beschreibt es ganz einfach:

„Der Regenwurm macht den Boden, die Pflanzen freuen sich.“

Ein schönes Bild für etwas, das auf einem lebendigen Acker ständig passiert: Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen, Wasser und Boden existieren nicht unabhängig voneinander. Sie beeinflussen sich gegenseitig.

Boden ist nicht einfach nur ein Haufen Erde

Genau hier liegt für Erhard ein grundlegender Unterschied im Verständnis von Landwirtschaft.

Ein Ackerboden ist nicht einfach eine Masse, in der sich Pflanzen irgendwie festhalten.

Er ist ein lebender Organismus.

In ihm arbeiten Regenwürmer, unzählige Mikroorganismen und Pflanzenwurzeln miteinander. Es entstehen Hohlräume und Wurzelkanäle, organisches Material wird zersetzt und Wasser kann in tiefere Schichten gelangen und dort gespeichert werden.

Wer Landwirtschaft betreibt, arbeitet deshalb nicht nur auf dem Boden.

Er arbeitet mit ihm.

„Wir arbeiten im lebendigen Bereich“

Dieser Gedanke begleitet Erhard schon lange.

Statt ausschließlich darauf zu schauen, was oberhalb der Erde wächst, interessiert ihn mindestens genauso sehr, was darunter passiert.

Denn gerade trockene Sommer zeigen, wie wichtig ein Boden sein kann, der Pflanzen ermöglicht, tiefe Wurzelsysteme auszubilden und vorhandene Feuchtigkeit zu erreichen.

Dass unsere Möhren seit ihrer Aussaat ohne zusätzliche Bewässerung auskommen und sich trotzdem so entwickeln, macht diese Zusammenhänge auf unserem Acker unmittelbar sichtbar.

Landwirtschaft beginnt mit Verstehen

Am Ende des Videos formuliert Erhard einen Gedanken, der weit über unsere Möhrenernte hinausgeht:

„Mach dir die Erde untertan heißt für mich nichts anderes als: Lern sie zu verstehen.“

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben für die Landwirtschaft der Zukunft.

Nicht gegen natürliche Prozesse zu arbeiten, sondern genauer hinzuschauen: Wie funktioniert ein Boden? Welche Rolle spielen seine Bewohner? Wie kommen Pflanzen mit Trockenheit zurecht? Und was können wir tun, damit dieses System langfristig lebendig bleibt?

Auf unserem Möhrenacker lässt sich gerade beobachten, was daraus entstehen kann.

Anfang Juni gesät. Nicht zusätzlich bewässert. Mitte August kräftig gewachsen. Und bis zur Ernte im Oktober haben die Möhren noch einige Wochen vor sich.

🎥 Im Video nimmt euch Erhard mit auf den Möhrenacker und zeigt, warum die spannendste Geschichte unserer Möhren eigentlich weit unter der Erde stattfindet.